| |
Ich bin Heike, eingekuschelt in eine Decke, meinen Körper bequem
in Seitenlage gebracht. Das ist meine
Lieblingseinschlafstellung. Ich fühle mich wohlig entspannt und
schläfrig.
Ein unbekanntes Geräusch. Dumpf. Undeutlich. Eine Stimme.
Nichts mehr. Wegdämmern...
Ein Stöhnen.
Ich treibe zurück an die Oberfläche meines Bewusstseins. Ein
Stein, der vom Grund eines Tümpels hochgezogen wird. Wieder das
Stöhnen. Diesmal erkenne ich den Unterton.
Mit einem Mal bin ich hellwach. Oh Gott! Das ist doch...
Erneute Geräusche, jetzt rhythmisch gegliedert. Ein langsamer
Takt.
Mit angehaltenem Atem und in der Fast-Finsternis aufgerissenen
Augen liege ich starr auf meiner Matratze. Eine Armlänge vor mir
schimmert die weiße Tapete, die eine Wand meines Zimmers
darstellt. Meine Hand liegt davor, ein kaum auszumachender
Umriss auf dem dunklen Leintuch. Die Finger haben sich zu einer
Faust zusammengeballt.
Die dünne Wand hinter der Tapete ist eigentlich nicht viel mehr
als ein stabiler Vorhang. Hinter der Wand steht das Bett von
Livia. Meine Mitbewohnerin. Vermieterin, wenn man es genau
nimmt. Sie hat unsere Zwei-Zimmer-Wohnung mit Küche und Bad von
einer Oma gemietet, dem Vernehmen nach uralt und stocktaub. Ich
habe sie selbst noch nicht kennen gelernt. Das ist kein Wunder,
denn ich wohne erst seit zwei Wochen hier, als Untermieterin von
Livia.
Meine Wangen kribbelten vor Aufregung, als ich 'Heike Benning'
unter das eng bedruckte Papier schrieb. Der erste selbst
unterzeichnete Vertrag meines Lebens! Papier ist irgendwie viel
beeindruckender als ein Klick auf einer Website, obwohl die
Wirkung dieselbe ist. Ich war so aufgeregt, dass ich nur so tat,
als würde ich den Text ganz sorgfältig und kritisch durchlesen.
Mitbekommen habe ich nicht viel.
Im Bett hinter der Wand liegt außer Livia noch Phil, ihr Freund.
Er arbeitet in München und besucht sie nur ab und zu. Ich habe
ihn heute zum ersten Mal gesehen, als ich von der Vorlesung kam
und die beiden in der einen Topf Spaghetti verdrückten.
"Hi Heike", begrüßte Liv mich. "Kennst Du eigentlich Phil schon?
Mein Freund! Heike - Phil, Phil - Heike." Ihr rundes Gesicht
leuchtete dabei stolz und sie hatte besitzergreifend eine Hand
auf seinen Arm gelegt.
"Hi!", sagte ich schüchtern und lächelte Phil kurz an. Er
lächelte zurück und gleich schoss Wärme in meine Wangen. Warum
muss ich nur so schüchtern sein!
"Hallo!" Phil grinste freundlich. Er sah gut aus mit seinem
strubbeligen hellbraunen Lockenkopf und den lustigen Augen.
Anscheinend war er einige Jahre älter als Liv mit ihren 22. Und
noch viel älter als ich. Ich bin erst vor drei Monaten
volljährig geworden.
"Willst Du mitessen? Wir haben eh zu viele Spaghetti gekocht",
fragte sie mich.
"Nein, nein", wehrte ich schnell ab. Der Gedanke, neben den
beiden offensichtlich Verliebten auf der Bank zu sitzen, hatte
etwas entschieden Unangenehmes. "Ich habe schon gegessen",
flunkerte ich. "Jetzt muss ich noch was Lesen, für den
Unterricht morgen."
Damit verdrückte ich mich auf mein Zimmer und blieb den Rest des
Abends für mich.
Stöhnen von nebenan...
Das ist Livs Stimme, ich kann sie ziemlich gut hören. Leise und
gedämpft von dem dünnen Material, aber unverkennbar. Sie liegt
höchstens einen Meter von mir entfernt. Ohne die Trennwand
würden meine Matratze und ihre praktisch ein Doppelbett bilden.
Allerdings ruht ihre sauber auf einem Lattenrost in einem Bett,
während meine provisorisch auf dem blanken Boden rutscht. In den
zwei Wochen seit meinem Umzug gab es Wichtigeres zu tun, als
sich um ein Bettgestell zu kümmern. Wahrscheinlich wird das noch
eine Weile so bleiben.
An Schlaf ist jetzt natürlich nicht mehr zu denken. Ich wage
immer noch nicht, zu atmen oder mich zu bewegen. Schon der
Gedanke, dass sie mein Lauschen bemerken könnten, ist mir so was
von peinlich. Mein Gesicht fühlt sich heiß an. Vermutlich bin
ich über und über knallrot.
Gut, dass niemand außer mir hier ist.
Gut, dass es dunkel ist.
Gut, dass nur meine Nase unter der schützenden Decke hervorragt.
Dreifacher Schutz, das ist beruhigend. Ich spitze die Ohren.
Jetzt murmelt Phil was. Die Worte kann ich nicht verstehen, aber
es klingt atemlos, gedrängt.
"Ok, wenn du willst...", höre ich Livs Antwort. Andere
Geräusche. Etwas Hartes stößt gegen die Wand und ich fahre
zusammen. Offenbar eine Art von Umgruppierung. Die Bewegungen
der beiden Körper lassen das Bett wackeln und an die Wand
prallen. Gleich darauf setzen die rhythmischen Töne wieder ein,
lauter jetzt. Schnelle Atemzüge, das Schlagen von Fleisch auf
Fleisch.
Bilder wabern durch meinen Kopf wie eine dieser
Videoinstallationen in der Ausstellung neulich. Ich wage kaum,
mir die Szene nebenan richtig vorzustellen. Ob Liv jetzt auf
allen vieren kniet? Ob das Schlaggeräusch seine Hüfte ist, die
auf ihren üppigen Po...
Vor Verlegenheit beiße ich in den Saum meiner Decke und ziehe
daran, spüre das Zerren des Stoffes an meinen Zähnen. Das
beruhigt mich ein wenig. Mein Herz schlägt heftig und die ganze
Haut an meinem Körper ist viel zu empfindlich. Mich so
unversehens so nahe an einem derartigen Akt wieder zu finden,
dass zieht mir den Boden unter den Füßen weg. So etwas habe ich
noch nie erlebt.
"Komm schon!", vernünftelt mein Kopf. Das sind nur zwei Leute,
die Sex haben. Das tun die meisten Erwachsenen. Du auch.
Irgendwann mal. Du bist schließlich auch erwachsen. Da ist doch
nichts dabei!
Natürlich hat mein Gehirn Recht. Ich weiß das. Es hat fast immer
Recht. Aber mein Pulsschlag und meine Gänsehaut hören ihm nicht
zu.
"Das ist zu anstrengend. Lass mich mal...", höre ich Livia.
"So ok?" Diesmal kann ich Phil verstehen.
"Ja. Gut so. Mach weiter...."
Livia ist überhaupt nicht gehemmt. Das wundert mich nicht. Sie
sieht auch so aus, eine richtige üppige, blonde Sexbombe. Sie
trägt ausschließlich knallenge Sachen, und sogar jetzt im
Spätherbst noch bauchfrei. Dabei sollte sie das meiner Meinung
nach bleiben lassen. Sie ist nicht schlank genug, damit das
wirklich gut kommt. Ich wäre das schon, aber ich würde nie mit
nacktem Bauch herumlaufen!
Ich stelle mir vor, dass sie Kopf und Brust auf das Bett gelegt
hat und das ausladende Hinterteil hochstellt. Ihrem Freund
entgegen reckt. Und er kniet hinter ihr und...
Was zum Teufel denke ich da? Ich ertappe mich tatsächlich bei
der Frage, wie Phil wohl aussieht. Wie er gebaut ist. Wie sein
Penis aussieht. Meine Matratze scheint nicht mehr auf einem
Holzboden zu liegen, sondern auf einer schiefen Ebene. Die Ebene
neigt sich immer mehr, ich rutsche bereits. Es ist nicht
abzusehen, wo und ob ich mich festhalten kann, oder ob ich
unabänderlich in den Abgrund gleite.
Livs Stöhnen klingt nun heller. Genießerischer. Wollüstiger. Der
Laut fährt mir richtiggehend durch den Körper, und der räkelt
sich, ganz von selbst.
Ein halber Gedanke, eine unausgesprochene Frage. Fahrig schiebe
ich eine Hand in die Pyjamahose und hebe einen Schenkel an,
mache den Zugang frei. Treffe auf warme, schlüpfrige
Feuchtigkeit. Meine Schamlippen fühlen sich ein wenig
geschwollen an und empfindlich. Oh Gott!
Stell Dich nicht so an!, verlangt mein Kopf. Ist doch klar, dass
man da nicht unbeteiligt bleibt, oder? Du reagierst halt, na
und? Besser, als wenn du ein Eisklotz wärst.
Ich lasse die Hand, wo sie ist, und reibe die glitschigen
Fingerspitzen aneinander. Das mag ich. Ein kleiner Tick
vielleicht. Ich weiß nicht, ob andere Leute das machen, ob sie
es auch mögen. Oder ob ich der einzige Mensch auf der ganzen
Welt bin, der auf so etwas abfährt.
Meine sexuellen Erfahrungen sind beschränkt. Genauer: praktisch
nicht vorhanden. Ich hatte zwar schon zwei Freunde. Aber beim
ersten war ich noch zu jung - oder fühlte mich noch zu jung, ich
war fünfzehn. Und den zweiten quälten ein paar psychische
Probleme, er wollte vom Thema Sex nichts wissen. Die Beziehung
war ganz nett und hundertprozentig platonisch. Was ich immer mit
großer Erleichterung und leisem Bedauern akzeptierte.
Lorenz, mein erster Freund, der wollte schon. Doch damals war
ich so ängstlich und aufgeregt und zickig, dass ich es kaum
aushielt, wenn er seine Hände unter meine Kleider schob. Ein
einziges Mal hatte ich ihm erlaubt, zwischen meine Beine
vorzudringen und mich zu einem Höhepunkt zu streicheln. Der war
schon heftig, irgendwie, aber ich habe mich nicht gut dabei
gefühlt. Wie eingezwängt. Gehetzt.
Ich weiß noch, dass ich trotzdem total feucht war und mich
hinterher durcheinander gefühlt habe. Danach hat er mich sitzen
lassen und ist mit Hanna aus der Parallelklasse gegangen. Sie
hat sich wohl nicht so angestellt wie ich. Das kommt halt davon,
wenn man in der tiefsten Provinz aufwächst. Wenn man Eltern hat,
die zwar liebevoll sind, aber sprachlos, sobald es um Dinge wie
Sex geht.
Vorsichtig führe ich meine Fingerspitzen über meine Spalte.
Spüre der weichen Haut und den Härchen dort nach. Nebenan
keuchen beide vernehmlich und schnell, bei jedem Stoß knackt die
Wand.
Ich könnte mich selbst befriedigen. Das mache ich manchmal. Alle
vier oder fünf Wochen vielleicht. Meistens jedoch streichle ich
mich nur ein wenig, so wie jetzt, und genieße die Reaktion
meines Körpers. Die wohlige Sinnlichkeit, die sich in meinem
Becken ausbreitet, das Kribbeln im Bauch wie von tausend
wuselnden Ameisen mit Söckchen an den Füßen. Das finde ich
schöner als den eigentlichen Höhepunkt.
Mit leichtem Bedauern entscheide mich dagegen. Ich möchte mich
nicht einklinken in den Takt des Pärchens im Nachbarzimmer. Ich
brauche immer viel Zeit, viel Ruhe. Ich brauche mein eigenes
Tempo.
Stattdessen will ich etwas Unerhörtes wagen! Lautlos schlage ich
die Decke zurück, fröstle einmal, als kalte Luft über meine
Waden streicht, und richte mich in Zeitlupe in eine kniende
Position auf. Mit äußerster Vorsicht drücke ich ein Ohr gegen
die Wand. Jetzt klingt es wirklich, als säße ich auf der
Bettkante. Ich höre jedes Stöhnen, jedes Luftholen, jedes
Klatschen, jedes knackende Gelenk.
Ich erschauere und presse die Schenkel zusammen. Meine Hand
steckt immer noch dazwischen und wühlt in der schwülen Fuge,
ganz von selbst. Es ist ziemlich finster, doch wenn ich an mir
heruntersehe, dann sind meiner Brüste zwei graue Apfelkurven
unter dem Nachthemd. Die Nippel sind fantastisch angeschwollen
und groß, das sehe ich und spüre ich, sie jucken im Takt meines
Pulsschlags.
"Ich komme gleich!" Phils gepresste Stimme.
"Nein! Warte. Bitte...", keucht Livia.
"Dann muss ich kurz Pause machen. Warte mal, ich lecke Dich ein
bisschen..."
"Och nee. Kannst Du nicht... Oh? Was? Ah ja, das ist gut... Ah
ja... Ah ja..."
Bei der Idee, dass mir jemand die Zunge unten hineinschiebt,
kichere ich um ein Haar laut auf vor Verlegenheit. Ich weiß
natürlich, dass viele Leute das machen und es schön finden. Aber
ich vermag mir das beim besten Willen nicht vorzustellen.
Dennoch hat der Gedanke etwas Reizvolles, etwas Frivoles. Meine
Beckenmuskeln spannen sich von alleine an.
"Jetzt bin ich fast so weit", ächzt Livia.
"Fast! Fast!" Sie schluchzt richtig. Dazu laute
Schleckgeräusche. "Gleich. Gleich..."
Ihre Stimme kippt. Der zittrige Schrei hallt durch die
nächtliche Wohnung. Man hätte ihn gut noch im Erdgeschoss hören
können, aber das Optikergeschäft unter uns ist nur von neun bis
sechs Uhr geöffnet. Und über uns wohnt der alte Herr, der hört
selbst mit Hörgerät sehr schlecht.
Mein Gehör dagegen funktioniert ausgezeichnet. Meine Brustwarzen
sind so hart geschwollen, dass die sachte Reibung des
Pyjamastoffes sich unangenehm anfühlt. Meine Kehle ist trocken,
ich kann kaum schlucken.
Weitere lang gezogene Klagelaute von Livia. Seltsam, dass die
Laute von Lust und Schmerz sich so ähnlich sind. Nun setzt das
Klatschen erneut ein. Bei dem Gedanken, dass er mitten in ihrem
Orgasmus wieder sein Ding in sie bohrt, da krampft sich meine
Scheide innerlich zusammen. Ich weiß nicht genau, ob vor Angst
oder vor Verlangen.
Gleich darauf stößt Phil ebenfalls ein lautes, erlöstes Stöhnen
aus. Ich weiß, dass jetzt sein Sperma herausspritzt, aber ich
kann mir nicht vorstellen, wie sich das für Liv anfühlen muss.
Plötzlich fühle ich Wut. Wut auf mich, weil ich so ein blödes
unerfahrenes Ding bin. Wut auf meine Mutter, die mich nicht
einmal vernünftig aufklären konnte. Wut auf die beiden nebenan,
weil sie die Umwelt mit ihren Lustgeräuschen verschmutzen.
Die Töne werden leichter, leiser. Sehnsüchtiges Nachglühen statt
Feuersbrunst. Immer noch wütend verlasse ich meinen Horchposten
und vergrabe mich in meine Decke, will nichts mehr hören. Aber
natürlich lausche ich aufmerksam auf jedes Geräusch.
"Das war voll gut!", seufzt Livia müde und gähnt. Phil
antwortet, ich kann ihn nicht verstehen. Innerhalb weniger
Minuten ist es drüben ganz still.
Das facht meine Wut weiter an. So ein Mist! Die beiden
Turteltäubchen schlafen umgehend ein vor Erschöpfung und ich bin
hellwach!?
Eine Viertelstunde später ist es nicht anders. Schäfchen zählen
funktioniert nicht. Ich reiße den armen Viechern gedanklich den
Kopf herunter, anstatt sie über den Zaun springen zu lassen.
Schließlich stehe ich auf und tappe in die Küche, um mir etwas
zum Trinken zu holen. Zumindest die Trockenheit in meinem Hals
muss ich nicht wehrlos ertragen, oder?
Ich bin ausgesprochen vorsichtig und knipse weder das Licht an,
noch verursache ich ein Geräusch. Nur das Ploppen, als der
Magnetverschluss des Kühlschranks aufschnappt, und das Sprudeln
des Mineralwassers beim Einschenken ist zu hören. Ich setze mich
in die Ecke unserer Küchenbank und drücke das kühle Glas gegen
die Stirn.
Livia hatte erzählt, dass Phil jedes zweite, dritte Wochenende
zu Besuch kommt. Immer abwechselnd zu ihren Trips nach München.
Bei der Aussicht, ihre Nachtaktivitäten regelmäßig als Hörspiel
zu verfolgen, wird mir flau im Magen. Nicht unbedingt, weil es
mir so unangenehm ist. Im Gegenteil, wenn ich ehrlich zu mir
bin, dann interessiert es mich sogar. Doch die Heftigkeit, die
Intensität darin berührt und packt mich so, dass ich nicht weiß,
ob ich mich darauf freuen oder weglaufen will.
Die leisen Geräusche aus Livias Zimmer hatte ich kaum
mitbekommen. Aber nun öffnet sich die weiße Tür. Phil kommt
heraus und kratzt sich am Bauch. Er ist nackt. Schreckensstarr
umklammere ich mein Glas. Mein Herz wummert irgendwo in Höhe
meines Kehlkopfes. Was jetzt?
Er sieht mich nicht in der dunklen Ecke, sondern schlurft am
Tisch vorbei ins Bad. Er schließt die Tür nicht richtig. Ein
schmaler Streifen grelles Halogenlicht taucht die Küche in einen
verhaltenen Schimmer. Plätschern, ewig lange. Irgendwann fällt
mir auf, dass ein Atemzug dann und wann von Vorteil wäre.
Soll ich schnell aufspringen und in meinem Zimmer verschwinden?
Doch der Gedanke, dass ich ihm praktisch genau in die Arme
laufen werde, wenn er im falschen Augenblick herauskommt, hält
mich wie paralysiert auf der Eckbank.
Da rauscht schon die Klospülung. Der Wasserhahn, als er sich die
Hände wäscht. Das Licht erlischt und Phils dunkle Gestalt
erscheint wieder. Er kommt exakt auf mich zu. Ich starre ihm
entgegen und fühle mich wie ein Tier auf dem Mittelstreifen, das
die Scheinwerfer heranrasen sieht.
Doch er bemerkt mich immer noch nicht. Er öffnet den
Kühlschrank. Als dessen bleiches Innenlicht auf sein Gesicht
fällt, da sehe ich, dass seine Lider fast geschlossen sind.
Hoffentlich geht er gleich zurück in Livias Bett, wo er
hingehört!
Er trinkt mit großen Schlucken direkt aus der Wasserflasche. Ich
versuche, den Trick herauszufinden, wie man auf der Stelle
unsichtbar wird. Trotz meiner Panik kneife ich die Augen
zusammen und schaue mir Livias Freund genau an.
Phil ist gut mittelgroß. Knapp eins-achtzig, schätze ich. Er ist
schlank, aber sehnig und kräftig, mit muskulösen Armen und
Beinen. Seine Brust ist mit einem dichten Gewirr von dunklen
Haaren überwuchert, das sich auch als schmaler Streifen über den
strammen Bauch hinab zieht. Darunter baumelt ein überraschend
großer Pimmel. Ob männliche Schwänze immer so aussehen? Oder
nach dem Geschlechtsverkehr? Oder ausschließlich seiner? Im
Internet sieht man ja alles Mögliche, aber das gibt einem keinen
Maßstab für die Realität.
Er schraubt die Flasche wieder zu - nur halb, sehe ich, morgen
wird die Kohlensäure komplett raus sein, na toll! - und gibt der
Kühlschranktür einen leichten Stoß. Beim Umdrehen streift sein
Blick über mich. Er zuckt zusammen, nach einer winzigen
Verzögerung, und blinzelt.
"Heike?"
"Ich, äh, trinke hier nur kurz was", flüstere ich eilig und hebe
mein Glas vor das Gesicht.
Er starrt mich an. "Sitzt Du schon die ganze Zeit da?"
"J-ja", gebe ich zu und hoffe, dass meine Gesichtsfarbe in der
Dunkelheit nicht zu erkennen ist. Das Holz der Bank drückt sich
kühl an meinem Hintern. Ich unterdrücke ein Frösteln.
Seine Hand fährt an den Hinterkopf, kratzt dort. Ein
verwundertes Schnauben. Dann sieht er an sich hinab.
"Oh! Tut mir leid, ich hätte mir was anziehen sollen!"
"Ach, kein Problem!" Ich zucke gelangweilt mit der Schulter, als
würde ich jede Nacht fremden nackten Männern begegnen.
Er grinst. Das nimmt er mir wohl nicht ab. Lässig lehnt er sich
mit dem Hintern an die Spüle und verschränkt die Arme vor der
Brust. Ich sehe ihm ins Gesicht und achte sorgfältig darauf,
dass mein Blick nicht an ihm herab rutscht. Ob es mir gelingt,
meine Furcht zu verbergen?
"Haben wir Dich etwa vom Schlafen abgehalten? Oder geweckt?"
"Nein", behaupte ich. "Ich, äh, habe die ganze Zeit gelesen."
Blöd! Jetzt weiß er, dass ich wach war und alles mitgehört habe.
Wieder sein freches Grinsen. Am liebsten hätte ich ihm eine
heruntergehauen.
"Und?" fragt er anzüglich.
"Was und?"
"Hat es dir gefallen?"
"Pff!"
Mein wegwerfendes Schnauben überzeugt nicht einmal mich selbst.
Ich spüre die köchelnde Wut in meinem Magen. Was bildet sich
dieser Kerl nur ein?
Phil lacht leise und sieht mich einige Sekunden nur an. "Wie alt
bist Du, Heike?"
"Ich bin achtzehn! Warum?"
"Ach, nur so!"
So ein Idiot! Nochmal ein Lachen und er schlendert endlich in
Richtung von Livias Zimmertür.
"Ich glaube, ich muss noch eine Runde drehen!", meint er
leichthin und zwinkert mir über die Schulter hinweg zu. Was zum
Teufel soll das nun bedeuten?
Er geht hinein. Die Tür quietscht leise. Er hat ihr einen Stoß
gegeben, aber nicht stark genug, damit sie zufällt. Aus dem
Zimmer fällt ein wenig Licht. Livia hat eine Straßenlaterne
direkt vor dem Fenster. Das stört sie nicht, sagt sie, sie sei
an einer Durchgangsstraße groß geworden.
Ein lauter Schmatzer dringt an mein Ohr. Ein zweiter, gefolgt
von einem müden weiblichen "Hm?"
"Dein Hintern sieht so appetitlich aus, ich muss ihn einfach
küssen!" In Phils Stimme schwingt unterdrücktes Lachen mit.
Ich reiße Augen und Mund auf. Will er etwa...?
"Ich habe um acht in der Früh Vorlesung!", murmelt Livia in
einem bittenden Ton.
"Schlaf weiter, Baby!" Neuer Schmatz.
"Biest!"
Die Sache ist so eindeutig, das erkenne sogar ich Landei! Er hat
die Tür extra für mich offengelassen. Und jetzt macht er sich
ein zweites Mal über seine Liebste her.
Warum?
Will er sich über mich lustig machen? Hält er mich für ein so
unerfahrenes junges Küken, dass ich dringend etwas von ihm
lernen musste? Womit er Recht hätte, aber darum geht es nicht.
Oder törnt es ihn an, wenn er weiß, dass ich zuhöre?
Da erst fällt der Groschen endgültig und ich schlage instinktiv
eine Hand vor den Mund.
Er will, dass ich zusehe!?!
Also das halte ich nicht aus! Morgen suche ich mir eine neue
Wohnung, hübsch und klein und ruhig, und nur für mich alleine!
Möglichst abgelegen. Sibirien oder so.
Die Kussgeräusche verändern sich, sind nun leiser, gedämpfter.
Irgendwie unanständiger. Ab und zu ein Seufzen aus dem
Halbschlaf. Das reicht jetzt! Ich komme ruckartig hoch und
marschiere auf steifen Beinen los. Am besten knalle ich meine
Zimmertür so richtig laut zu, damit er merkt, was ich von ihm
und seinen abstrusen Ideen halte!
Aber auf der Schwelle stoppe ich ein und lausche.
Livs Stöhnen klingt so selbstvergessen, so vielsagend, so
betörend sinnlich, dass ich wie angewurzelt stehen bleibe. Und
dann, während ich auf mich selbst schimpfe wie ein Rohrspatz,
schleiche ich doch tatsächlich die vier Schritte bis zu der
leicht geöffneten Tür. Mein Herz schlägt hart gegen die Rippen,
und der Boden fühlt sich an wie eine Eisscholle unter den
nackten Füßen.
Ein erster Blick.
Livia liegt seitlich in ihrem Bett, den Rücken mir zugewandt.
Sie trägt nur ein schwarzes Hemdchen, darunter nichts. Der
blanke Po reckt sich mir entgegen. Phil kniet neben dem Bett,
hat die Hände um die Hinterbacken gelegt, und leckt sie dort
voller Hingabe. Die pure, ungezügelte Erotik der Szene zieht
mich augenblicklich in ihren Bann. Ich friere ein, die Finger um
den Türrahmen gekrallt.
Das Licht reicht nicht aus, um alle Details auszuleuchten. Ich
erkenne nur, dass Phil die drallen Schenkel seiner Geliebten
auseinandergeschoben hat. Sein Gesicht arbeitet tief in der
Spalte zwischen Beinen und Hintern. Livia rollt sacht mit dem
Becken und seufzt im selben Takt.
Außerdem reibt Phil seinen nun steif aufgerichteten Penis. Ich
muss schlucken, als mir klar wird, dass er sich extra so schräg
hingekniet hat, damit ich das von meiner Warte aus auch gut
sehen kann. Ich bin gefangen in einem Spiel, das ich nicht ganz
durchschaue. Es fühlt sich an wie lauter kleine Wollfäden. Jeder
einzelne davon schwach und leicht zu zerreißen, aber alle
zusammen verweben mich in ein Netz, aus dem es kein Entrinnen
gibt.
Phil rappelt sich hoch, sein Mund verlässt seinen bisherigen
Aufenthaltsort mit einem nassen Geräusch.
"Ich muss Dich einfach noch Mal haben!" raunt er seiner Freundin
zu und schiebt sich auf sie. Dabei erkenne ich nun das Volumen
seiner Erektion im Verhältnis zu seinem Körper. Sieht schön groß
aus, aber nicht zu groß.
"Du bist unersättlich!" Ihre Stimme klingt zärtlich. Sie legt
sich für ihn auf den Bauch und nimmt die Beine auseinander. Er
kniet sich dazwischen und führt mit der Hand sein Glied in die
schattige Fuge. Sie drückt den Po hoch, und gleich darauf
verkündet ein doppelter Seufzer, dass er eingedrungen ist.
Vorsichtig lässt er sein Gewicht auf sie sinken. Dann beginnen
seine Stöße. Ich sehe nur noch die Umrisse der beiden Körper und
ihre Bewegungen. Das Bett knarrt wieder los.
"Das ist toll, Dich so zu ficken!", keucht er gegen ihren
Hinterkopf. Sie kichert lasziv. Ich lausche verblüfft. Bisher
dachte ich immer, dass Sex so wortlos abläuft wie in den Filmen.
Höchstens untermalt von romantischer Musik.
"Beim zweiten Mal ist es intensiver. Da komme ich mir
dünnhäutiger vor."
Von Livia kommt nur ein kurzes zustimmendes Brummen.
"Ich liebe es, wenn ich bei jedem Stoß deinen Arsch an meinem
Bauch spüre."
Dazu sagt sie nichts. Stöhnt nur.
"Das fühlt sich so geil an!"
Endlich kapiere ich. Dieser Verbalsex gilt mir! Ein weiterer
Wollfaden, der sich um meine Schenkel schlängelt. Auf eine
subtile Weise sind wir nun zu dritt in diesem Spiel gefangen.
"Ich will deine Brüste streicheln!", verlangt er drängend. Sie
dreht sich etwas, so dass er eine Hand unter sie schieben kann.
"Dein Busen ist der Wahnsinn! So groß und voll! Das erregt mich
total, wenn ich meine Finger so darum lege..."
Bei diesen Worten werden seine Bewegungen plötzlich langsamer,
tiefer. Dringender.
"Warte...", flüstert sie.
"Nein!", keucht er und dehnt seine Stöße noch länger. "Ich will
jetzt! Mir ist egal, ob Du kommst oder nicht..."
Beim letzten Wort stöhnt er laut auf und verharrt mit weit
zurückgebogenem Oberkörper. Dann schüttelt der Orgasmus ihn
durch wie ein Kätzchen, das im Genick gehalten wird. Er bricht
ächzend auf ihr zusammen, fest im Griff seiner Lustentladungen.
Ich sehe, wie sie die Beine anwinkelt, ihn von hinten an sich
zieht und mitgeht. Zum Höhepunkt kommt sie nicht, aber ich habe
den Eindruck, dass ihr dies nicht so wichtig ist. Sie genießt es
jedenfalls, im Halbschlaf von ihm durchgevögelt zu werden.
"Wow!" Phils Stimme ist nur ein erschöpftes Murmeln. "Das machen
wir jetzt immer so."
Livia kichert schläfrig. Um ein Haar hätte ich auch losgelacht.
Hysterisch losgelacht. Ich weiß vermutlich besser als sie, was
ihr Lover damit meint.
Lautlos schleiche ich in mein Zimmer und schließe die Tür hinter
mir. Den Griff drücke ich in Zeitlupe, um nur ja kein
verräterisches Geräusch zu verursachen.
Mindestens zwei oder drei Stunden liege ich noch wach auf der
Matratze, die Augen weit geöffnet, die Finger spielerisch auf
meine feuchte Scham gelegt. Die Eindrücke dieser aberwitzigen
Nacht flirren durch meinen Kopf. Bilder, Laute, Worte,
Bewegungen. Mein Körper ist so quicklebendig und präsent, als
hätte ich gerade ein Volleyballspiel mit anschließender Dusche
und Sauna hinter mir.
Irgendwann geht das in einen unruhigen Schlaf über. Ich träume
von Lorenz. Was genau, das weiß ich später nicht mehr, aber es
hatte etwas mit seiner Hand in meinem Slip zu tun...
Punkt acht Uhr rattert mein billiger Wecker. Schlaftrunken fahre
ich auf, sehe mich verständnislos um.
Ich bin in meiner neuen Studentenbude, Studentin im ersten
Semester.
Aus der Küche wehen Musikfetzen zu mir herüber.
Langsam dringen wieder die Geschehnisse der Nacht zu mir vor.
Der doppelte Liebesakt, dessen Zeuge ich wurde. Phil, direkt vor
mir, nackt.
Oh Gott! Livia würde gleich in die Vorlesung gehen, er war noch
in der Wohnung. Ich kann ihm unmöglich unter die Augen treten.
Aufstöhnend ziehe ich die Decke über den Kopf.
"Tschüss! Bis heute Nachmittag!"
Die Wohnungstür kracht hinter Livia ins Schloss. Relative Ruhe
bleibt zurück. Auch das Radio hat sie ausgeschaltet. Ich reiße
mich zusammen und versuche, einen Schlachtplan aufzustellen.
Also: Phil schläft noch. Am besten dusche ich schnell, kleide
mich an und gehe ebenfalls zur Uni. Ich habe zwar keine
Vorlesungen, aber ich könnte mich ja mal ausgiebig in der
Bibliothek umsehen. Das war uns auf der Einführungsveranstaltung
wärmstens ans Herz gelegt worden, Online-Zugriff hin oder her.
Mit ein wenig Glück unternehmen die beiden nach Livias Rückkehr
etwas, so dass ich nicht auf Phil treffen werde. Wenn ich mir
zwei Brote und Wurst mit aufs Zimmer nehme, kann ich den ganzen
Abend darin verbarrikadiert bleiben. Perfekt!
Aus reiner Gewohnheit greife ich nur nach der Unterwäsche und
stehle mich ins Bad. Erst unter der Dusche fällt mir ein, dass
ich damit halb angezogen zurück in mein Zimmer muss. Na ja,
vermutlich schläft Phil dann noch.
Die heißen Strahlen fühlen sich heute fast zu hart an, meine
Haut scheint überempfindlich zu sein. Sind das Nachwirkungen?
Ich stelle das Wasser schwächer und wasche mich schnell. Kurz
stiehlt sich das Bild in meinen Kopf, wie mich Phil von oben bis
unten einseift. Ich unterdrücke das, als sich meine Brustwarzen
sofort aufrichten und mein ganzer Busen sacht pocht. Ich spüle
den Schaum ab und reibe auch jeden Rest von Schlüpfrigkeit aus
meiner Scheide. Dabei fühlte ich leises Bedauern.
Abtrocknen. Zähneputzen. Föhnen. Leider dröhnt der Föhn wie ein
altersschwaches Düsentriebwerk. Das kann er unmöglich überhören.
Rudimentäres Schminken. Ein Haarreif in die Haare. Ich trage sie
schulterlang, in meiner natürlichen Farbe, dunkelbraun. Mit dem
Reif sehe ich erst recht wie ein kleines Mädchen aus, aber das
ist mir jetzt egal.
Ein abschließender Blick in den Spiegel. Ich starre in mein
Gesicht, ernst und schmal und blass. Die Augen verraten mich,
ihr unruhiges Spiel gibt meine Ängstlichkeit preis. Ich runzle
die Stirn und strecke mir die Zunge heraus, dann schlüpfe ich in
die Unterwäsche.
Als ich mich vorbeuge, um meinen Busen ordentlich in den
Körbchen zu verstauen, da bin ich froh, dass ich nur 70B
brauche. Ich würde wahnsinnig werden mit einer Oberweite, wie
beispielsweise Livia sie hat.
Doch, mit meinem Oberkörper bin ich ganz zufrieden. Auch die
Beine sind in Ordnung. Schlank und gerade und lang genug, um bei
meiner Körpergröße von 1,63 m nicht "kurz" auszusehen. Nur meine
Hüften finde ich deutlich zu ausladend, und meinen Hintern zu
fett. Na ja, fett ist vielleicht übertrieben. Normal halt. Aber
ich liebe die Ästhetik diese spindeldürren, lang aufgeschossenen
Models mit den schmalen Ärschen. Zu schade, dass ich nie so
aussehen werde.
So. Fertig für den Tag. Bereit für die Welt.
Wirklich?
Ja, bestimmt! Ich setze ein zuversichtliches Lächeln auf die
Lippen und öffne die Tür.
Phil sitzt in der Küche, genau auf meinem Platz von letzter
Nacht. Er hat nur eine Unterhose an. Als ich erscheine, lächelt
er einladend.
"Guten Morgen", verkündet er fröhlich.
"Morgen." Meine Stimme klingt deutlich verhaltener. Mir ist
überdeutlich bewusst, dass ich halbnackt in der Tür stehe, nur
mit Slip und BH, den zusammengeknüllten Schlafanzug vor die
Brust gedrückt. Warum zum Teufel habe ich den bloß nicht wieder
angezogen?
"Na? Hast Du die Show genossen?", fragt er lauernd.
"Show?" Ich markiere verzweifelt Ahnungslosigkeit.
Er lacht nur. "Weißt Du, von da drin kann man ziemlich genau
sehen, ob jemand in einem hellen Pyjama vor der Tür steht oder
nicht."
Oh nein!
Ich starre sein breit grinsendes Gesicht an und warte darauf,
dass der Küchenboden sich unter mir öffnet und mich verschlingt.
Aber den Gefallen tut er mir nicht. Phil sieht aus, als müsse er
an sich halten, um sich nicht vor Lachen auf dem Boden zu
wälzen.
"Ertappt!", kräht er vergnügt und rührt in seiner Kaffeetasse.
"Die Kleine hat die Show sehr wohl genossen."
Auch mein schrecklicher Laserblick funktioniert heute Morgen
leider nicht richtig. Sonst würden jetzt die rauchenden Reste
seines Schädels hinter ihm an der Wand kleben.
"Ach, schau doch nicht so böse drein", kichert der blöde Kerl.
"Mir hat´s ja genauso gefallen. War nur Spaß, ehrlich!"
"Pfff!"
Mit majestätisch hochgeworfenem Kopf will ich mich abwenden und
in mein Zimmer entschweben. Die Schlafanzughose fällt mir
allerdings aus den nervösen Fingern, und bis ich mich danach
gebückt habe, hat das den beabsichtigten Effekt ruiniert. Ich
starre auf den weichen Stoff in meinen Händen und muss
schlucken. Das Brennen in den Augenwinkeln fühlt sich verdächtig
heiß an.
Zumindest diese Schmach möchte ich mir nicht auch noch antun!
Nicht vor seinen Augen in Tränen ausbrechen wie ein kleines
Mädchen. He, ich bin erwachsen! Ich bin an einer echten
Universität eingeschrieben. Ich kann verdammt hart im Nehmen
sein, ganz ehrlich.
"Ich glaube, du hast noch nie jemand beim Vögeln zugesehen,
richtig?" Phil reckt sich genüsslich auf seinem Platz.
"Wahrscheinlich bist du sogar noch Jungfrau!"
"Quatsch!", stottere ich überrumpelt und könnte mich ohrfeigen,
so schwach kommt das heraus.
Phil reißt die Augen auf, seine Kinnlade verliert den Halt.
Oh nein! Das war nur eine kleine Bosheit, er hatte das gar nicht
ernst gemeint! Und ich falle so darauf herein! Mein Gesicht
brennt bis hoch zur Stirn. Blindlings fahre ich herum und stürze
in mein Zimmer, haue die Tür ins Schloss. Stelle mich ans
Fenster, keuchend, ohne die Straße unten auch nur wahrzunehmen.
"Heike?"
Es klopft. Das Knacken der sich öffnenden Tür. Ich erstarre.
Will er etwa in meinen Raum kommen?
"Heike, es tut mir leid. Ehrlich!"
Schritte hinter mir. Zwei warme Hände auf meinen hochgezogenen
Oberarmen. Ich habe ihn nicht eingeladen, aber ich schaffe es
auch nicht, ihn einfach rauszuwerfen. Mein Inneres ist ein
einziges Chaos.
"Tut mir wirklich leid!", wiederholt er leise. Seine Nähe
produziert umgehend eine Gänsehaut auf meinen Schultern. "Ich
wollte dich nicht verspotten. Ich wusste nicht... Ich meine,
klar, du bist jung. Aber so toll, wie du aussiehst, da hätte ich
nie gedacht, dass du, äh, also, dass du noch gar keine
Erfahrungen hast."
Verblüfft drehe ich den Kopf, sehe ihn an. Für einen Moment
vergesse ich die Unerträglichkeit der Situation.
"Ich sehe toll aus?", frage ich nach.
"Aber - klar!," meint er im Ton, als hätte ich gefragt, ob es im
Winter kalt sei. "Einfach super siehst du aus." Er schnaubt
amüsiert. "Als ich dich gestern Abend beim Essen zum ersten Mal
gesehen habe, da hat Livia gleich gesagt, ich solle dir nicht so
nachstarren. Sie weiß es ganz genau. Du stellst nur dein Licht
unter den Scheffel, scheint mir."
Mein Kopf dröhnt wie eine Glocke, als ich mit diesem Gedanken
ringe. Mir ist klar, dass ich nicht so übel aussehe. Aber ich
habe mich nie als besondere Schönheit empfunden. In meiner
Klasse gab es immer Mädchen, die strahlender schienen als ich.
Attraktiver. Irgendwie großartiger. Die nicht so formlose
Klamotten trugen.
Im Sommer fühle ich mit Jeans und einer Bluse gut bedient, und
ab Oktober habe ich fast durchgehend einen weiten Pullover
übergestreift. Der Grund dafür liegt vielleicht nicht
ausschließlich im Bedürfnis nach Wärme. Es ist noch nicht so
lange her, dass mein Busen von zarten Hügelchen plötzlich zu
deutlichen Halbkugeln schwoll. Jeder fremde Blick darauf bringt
mich aus dem Konzept, egal ob er aus männlichen oder aus
weiblichen Augen stammt.
"Ist alles ok mit dir?", fragt Phil besorgt. Ich weiß nicht, ob
ich nicken oder den Kopf schütteln soll. Also probiere ich es
mit einem unsicheren Lachen.
"Pass auf! Ich verliere kein Wort mehr darüber, dass du Jungfrau
bist, und du sagst Livia nicht, dass ich mich wie ein kompletter
Idiot aufgeführt habe, ok?", schlägt er vor und drückt meine
Arme.
Ich zucke mit den Schultern. "Naja, es stimmt schon. Ich bin
halt noch unberührt. Und ich habe wirklich noch nie gesehen, wie
zwei andere Leute, äh, miteinander schlafen. Real, meine ich."
Erstaunt höre ich mir selbst zu. Warum bei allen Heiligen
erzähle ich ihm das? Er gibt einen verstehenden Laut von sich
und berührt mich erneut. Dabei steigt ein Hauch seines
Körpergeruchs in meine Nase, irgendwo zwischen frisch gemähter
Wiese, geröstetem Kaffee und etwas Dunklem, Leckeren. Moschus?
Mir läuft förmlich das Wasser im Mund zusammen und fast hätte
ich mich umgedreht, um an ihm zu schnuppern. Dann wird mir klar,
dass der Liebesduft der Nacht noch an ihm kleben muss. Wieder
eines dieser Wollfädchen, diesmal durch die Geruchsnerven
geschossen.
"Ich wollte dich nicht verärgern oder schockieren." Seine Stimme
ist eine sonore Vibration nahe an meinem Ohr. "Für mich war das
ein Spiel. Ich dachte, für dich auch. Das war anscheinend
falsch."
"Schon ok. Ich bin nicht böse", sage ich und atme tief durch.
Drehe mich herum.
Er löst seinen Griff, lässt die Arme hängen. Sieht mich unsicher
an, keinen Schritt von mir entfernt. Sein Blick rutscht tiefer
und mir fällt wieder ein, dass ich nur Unterwäsche anhabe. Na
ja, wenn ich wirklich so gut aussehe, dann ist es wohl nicht
allzu schlimm, dass er ein paar Quadratzentimeter Haut von mir
sieht, oder? Schließlich habe ich ihn auch schon nackt gesehen.
Ganz nackt sogar. Sogar seinen...
Er blinzelt ungläubig. Sein Mundwinkel zuckt. Er blickt mir
hastig in die Augen, sein Grinsen kann er jedoch nicht völlig
unterdrücken.
Was zum...?
"Oh!"
Als ich an mir herunter sehe, da verstehe ich. Offenbar hatte
ich mich nicht sorgfältig genug abgetrocknet. Der weiße BH ist
mit dunkleren Feuchtigkeitsflecken überzogen, der dünne Stoff
wirkt halb durchsichtig. Viel schlimmer allerdings: Meine
Brustwarzen sind geschwollen und sehen riesig aus. Sie stechen
durch die feine Textur der Körbchen wie reife Himbeeren.
Ich blicke ihn wieder an. Mein Kopf ist leer wie eine
ausgeraubte Schatzkammer. Erneut erhasche ich eine Nase von
seinem rassigen Duft, schwerer diesmal, intensiver. Der
Augenblick dehnt sich wie flüssiges Glas.
"Heike...", flüstert er und greift zögernd nach meinen
Oberarmen. Die Berührung lässt mich zusammenzucken, und ich hole
unwillkürlich tief Atem. Dadurch hebt sich mein Busen
unübersehbar, und wir beide schauen neu hin. Meine Titten
prickeln überall und mein rascher Herzschlag klopft darin. Die
Spitzen ragen steif heraus und erzittern unmerklich im Takt des
Pulses.
Mir fällt ein, dass mein Biologiebuch aus der Mittelstufe
behauptete, bei starker Erregung würden weibliche Brüste um bis
zu einem Drittel ihres Volumens anschwellen. Das hatte ich nie
geglaubt. Jetzt kann ich förmlich spüren, wie das Blut
hineinströmt, wie die weiche Form sich dehnt.
Phil ist völlig gebannt, er starrt meine Brust an, als hätte er
noch nie eine gesehen. Dann, bevor ich einen klaren Gedanken
fassen kann, hebt er eine Hand und streicht hauchzart über den
linken Hügel.
Die Berührung löst so etwas wie einen elektrischen Schlag aus.
Ich zucke zusammen, meine Brust prickelt nach der Entladung.
Aber so richtig erschüttert bin ich erst, als ich merke, dass
mein Körper sich am liebsten nach vorne werfen würde, meinen
Busen fest gegen seinen Griff drücken. Die pochende Knospe
schreit förmlich danach, vollflächig umfangen und gestreichelt
zu werden.
Mit einem Wimmern fahre ich zurück, klammere mich an das
Fensterbrett. Phils Hand hängt noch eine Sekunde in der Luft.
Dann wacht er aus der Trance auf und nimmt sie verlegen
herunter. Seine Unterhose hat sich hart ausgebeult. Ich erkenne
sogar die Umrisse seines Schwanzes unter dem gedehnten Stoff.
Wir tauschen einen ratlosen Blick. Offenbar fühlt Phil sich
ebenso verheddert wie ich. "Ich... gehe jetzt besser", erklärt
er mit flacher Stimme. Ich nicke. Doch er rührt sich nicht. Er
steht nur da, keinen Meter vor mir, atmet genauso schnell wie
ich, und starrt mich so hungrig an wie ein Wolf das angepflockte
Ziegenkitz.
"Ich will dich nicht bedrängen oder so." Sein Tonfall klingt nun
beruhigend, als ob er mit einem verschreckten Tier spricht.
Idiotischerweise funktioniert das sogar. Ich schaffe es, ein
paar meiner angespannten Muskeln loszulassen. Phil sucht nach
Worten und fährt fort: "Es ist nur so, dass für mich die letzte
Nacht ein unglaubliches Highlight war. Ich meine, mit Livia ist
es immer toll im Bett. Aber noch dazu mit dir als Zuschauerin,
das war einfach..." Er grinst hilflos und zuckt die Schultern.
"Schon okay", bringe ich heraus. "Es ist ja nichts passiert. Ich
bin dir nicht böse. Du kannst nichts dafür, dass ich so
verklemmt bin."
"Das stimmt nicht." Er schüttelt den Kopf, ernst. "Ich hätte
bemerken müssen, dass du keine Erfahrung mit so was hast. Es ist
meine Schuld, wenn dich das überfordert und du blöde
Erinnerungen mitnimmst."
"Das überfordert mich überhaupt nicht!", behaupte ich und
strecke das Kinn vor. Die Wut ist wieder da, herrlich heiß,
mitten im Bauch. Was bildet sich dieser Blödmann nur ein? "Im
Gegenteil. Ich fand es sehr lehrreich. Wenn ich schon selbst
keine Ahnung habe, dann muss ich ja wohl dankbar für den
Anschauungsunterricht sein, oder?"
"Soso." Er hat schon wieder dieses überhebliche Grinsen
aufgesetzt. Ich könnte ihn hauen!
"Richtig." Ich verschränke die Arme vor der Brust. Diese Geste
mag ich, denn das sieht immer so kraftvoll aus. Dummerweise muss
ich sie gleich wieder herunternehmen. Den Druck auf die Nippel
halte ich jetzt einfach nicht aus, so gereizt sind die. Das
zieht seinen Blick erneut auf meinen BH.
"Du sagst also, es hat dir gefallen?", will er wissen, ein
Lauern im Tonfall. "Es macht dir nichts aus, wenn andere Leute
heiß sind und Sex haben?"
"Überhaupt nicht!" Ich stemme die Fäuste in die Hüften. Das ist
noch besser, weil energisch, und ohne Nippelkontakt.
"Dann wäre es ja auch kein Problem für dich, wenn ich meinen
Lümmel heraushole und ihn ein wenig streichle, ja?" Er klingt
wie ein fliegender Händler in der Fußgängerzone, der einem
nutzloses Zeug andrehen will. Eine Hand liegt schon um den Hügel
in seiner Unterhose.
Diese Unterhaltung mit Phil ist wie eine nasse Seife. Ich
versuche, nach etwas zu greifen, und er flutscht weg. Ich stehe
umso dämlicher dar. In was habe ich mich da nur rein manövriert?
Und wie komme ich wieder raus? Mein Kopf ist blockiert. Mir
fällt nicht das Geringste ein, ganz zu schweigen von einer
coolen, schlagfertigen Retourkutsche.
"Mir ist das doch egal", beharre ich also. "Du kannst machen,
was immer du willst."
"Bestens", grinst er. "Die Erinnerung an die Nacht hat mich
nämlich so scharf gemacht, dass ich mich einfach abreagieren
muss."
Damit zieht er in aller Seelenruhe die Unterhose runter, mitten
in meinem Zimmer. Sein Glied federt empor, ich kenne es bereits.
Es sieht genauso voll aus wie zuvor, bei Livia. Er legt eine
Hand darum und schiebt die Haut zurück. Die Eichel kommt heraus
und guckt mich an, ein violettes Ei.
Immer noch klammere ich mich verzweifelt an die Fassade der
abgebrühten Großstadtgöre. Was macht es mir schon aus, wenn ein
praktisch fremder Mann sich vor meinen Augen einen runterholt?
Doch mein Puls jagt so schnell, als müsse er Anlauf für einen
Salto nehmen und ich kann mich nicht vom Fleck rühren.
"Das ist sogar heißer so", flüstert Phil, während er seinen
Schwengel langsam bearbeitet. "Gestern Nacht, da war es nur ein
Extra-Kick, dass du mir zugesehen hast. Jetzt geht es um dich.
Um deinen süßen Busen. Ich stelle mir gerade vor, wie er nackt
aussieht."
Da muss er sich nicht viel vorstellen. Der BH gehört zu den
knapperen Exemplaren seiner Gattung, und meine geschwollenen
Formen füllen ihn bis zum Anschlag. Die harten Nippel zeichnen
sich deutlich durch den Stoff ab, was bedeutet...
Mit Verzögerung wird mir die ganze Abseitigkeit der Situation
bewusst. Mir ist klar, dass ich eigentlich böse sein müsste.
Dass ich ihn anschreien sollte, und hochkant hinauswerfen. Das
ist doch sexueller Belästigung, was er hier abzieht, oder? Ich
sollte das Fenster aufreißen und nach der Polizei brüllen.
Ich tue nichts dergleichen. Ich bin immer noch gelähmt, und die
unwirkliche Sinnlichkeit, die zwischen uns vibriert, hält mich
fest wie ein Fliegenfänger ein Insekt. Siedend heiß schießt es
in meine Wangen, als ich bemerke, dass ich sein Gaffen auf
meinen Körper genieße. Erschreckt hole ich tief Luft.
"Ah. Das geilt dich also auch auf", kommt es postwendend von
Phil. Seine Hand, jetzt schneller am Rohr auf und ab gleitend,
produziert leise Geräusche. "Kannst du dich mal für mich
umdrehen? Dein Po sieht so göttlich aus, den muss ich jetzt
unbedingt nackt haben. Na los!"
Wie im Traum wende ich mich um und sehe aus dem Fenster. Ein
älterer Mann schreitet mit raschen Schritten über die Straße. Er
hält genau Kurs auf mich, will vermutlich zum Optiker unten im
Erdgeschoss. Er blickt zu mir hoch und zuckt zusammen. Er wendet
den Blick nicht von mir, bis er unter dem Fensterbrett aus dem
Blickwinkel gerät. Fast hätte ich gekichert. Vielleicht flucht
er nun, weil er noch keine Brille auf hatte und mich nur
verschwommen sah.
"Supersüß", murmelt Phil hinter mir. Mein Hinterteil prickelt,
als würden hunderte von winzigen Nadeln darin stecken. Ob er
sich wieder vorstellt, wie ich nackt aussehe?
Völlig automatisch greife ich nach dem Saum des Slips und ziehe
ihn höher. Zu spät fällt mir ein, dass dies genau den
gegenteiligen Effekt hat. Anstatt meine Garderobe zu ordnen,
habe ich das Höschen straffer über die Backen gezogen.
"He, das ist gut so", lacht er auf. "Du scheinst ja wirklich
Spaß daran zu haben."
Die Anerkennung, die in seinen Worten mitschwingt, trifft mich
unerwartet und reißt meine Stimmung hoch wie ein Sonnenstrahl im
Januar.
"Du könntest dich etwas breitbeiniger hinstellen", dringt seine
Stimme an mein Ohr. "Und dich vielleicht ein wenig vorbeugen."
Ich mache es. Sofort, ohne nachzudenken. Bin ich süchtig nach
dem bewundernden Brummen, das er ausstößt? Nach seinem Blick auf
meine Muschi, nur knapp vom Zwickel des Höschens bedeckt? Ich
spüre, wie sich die Scheidenröhre innen zusammenzieht. Vor
Schreck? Nein, eher vor Erwartung. Verdammt! Ich bin heiß wie
ein Ofen.
Ich stütze mich auf die Fensterbank und lehne mich gegen die
Scheibe, schmiege Brust und Wange daran. Die Straße ist leer,
gnädigerweise. Den Po drücke ich nach hinten und stelle mich in
eine breite Grätsche.
"Wow." Echte Bewunderung schwingt in diesem Hauch. Ich lasse
mein Becken langsam kreisen und genieße das Gefühl, wie sich die
Hüftgelenke in den Pfannen drehen und sich darin reiben.
Ich kenne Phil überhaupt nicht. Phil ist der Freund von Livia.
Livia ist meine Vermieterin, und hoffentlich so etwas wie eine
Freundin. Vielleicht noch nicht richtig, aber sicher in Zukunft.
Ich sollte in eine Vorlesung sitzen und lernen. Was würden meine
Freundinnen sagen, wenn sie mich jetzt so sehen könnten, wie ich
schamlos mit dem Arsch hin und her wackle?
Alles gute Gründe. Alles richtige Argumente, um das hier sofort
abzubrechen. Alles völlig unwichtig. Der Rest der Welt spielt
keine Rolle, ist ausgeblendet. Nur mein Zimmer bleibt, Phil, und
die zähfließende Lust, die mich erfüllt. Die mich hinabzieht wie
ein Strudel, ein Mahlstrom dunkler Begierde, direkt ins Herz der
Finsternis.
Meine Hände legen sich auf den Po. Ich kann sie zittern spüren,
flattern, wie kleine Vögelchen. Die Flattertiere streifen das
Höschen hinab, bis es unter den Backen hängt. Phil stöhnt. Mein
Hinterteil hat sich noch nie so gut, so lebendig angefühlt wie
jetzt, bei seinem starrenden Blick.
Genauso selbständig fummeln meine Finger den Verschluss des BHs
auf. Als der Zug nachlässt, da drehe ich mich wieder um. Phil
steht auf demselben Fleck wie zuvor. Sein Gesicht glänzt
hochrot. Er reibt sich mit beiden Händen über den Unterbauch und
schnauft. Sein hochgereckter Schwanz hüpft bei jedem Pulsschlag
ein wenig. Das sieht witzig aus. Und erregend.
Ich lasse mir die BH-Träger über die Schultern rutschen und
komme mir vor wie eine Stripperin in einer verruchten Bar. Ich
sehe an mir herunter. Meine Brüste hängen frei, wegen der
unnatürlichen Schwellung so prall und rund wie nie. Die Nippel
ragen auf wie kleine, dicke Kegelchen.
"Ja, zeig mir alles!", fordert Phil und schluckt. Anscheinend
wagt er nicht mehr, seinen Pimmel zu berühren.
Alles? Ah. Der Slip, hinten schon heruntergezogen, hängt vorne
auf halbmast. Das Dreieck meiner Schamhaare quillt über den
Saum, ein schockierend erotischer Anblick. In dem Traum, in dem
ich dahinschwebe, kann ich sein, was immer ich möchte. Nicht das
gehemmte junge Ding vom Dorf, sondern die scharfe Braut. Das
Luder, geheimnisvoll und unwiderstehlich. Eine Nymphe der
Fleischeslust, eine vor Geilheit kochende Hexe.
"Ich will, dass du deine Titten streichelst."
Phil lässt selbst die Handflächen über seinen Brustwarzen
kreisen. Es fühlt sich völlig natürlich an, dem Beispiel zu
folgen. Ich lege meine Hände auf die Brüste, streife den BH nach
unten und liebkose mich sanft. Phil sieht fasziniert zu. Sein
Becken ruckt immer wieder nach vorne, unwillkürliche Luftstöße.
Die Eichel trieft vor transparenter Flüssigkeit.
Wahnsinn, wie das prickelt, wenn ich die Nippel mit den
Fingerspitzen antippe. Ich spüre mein Fleisch, meine runden
Formen, meine herrlich pochenden Möpschen in den Handflächen.
Ein wenig verliebe mich in mich selbst, so schön und so sexy
komme ich mir vor.
Ich brauche keine Regieanweisungen mehr, keine Ermunterungen.
Der Slip fällt ebenfalls, das Ding ist klamm vor Feuchtigkeit.
Ich lehne nackt am Fenster und habe die Kante des Fensterbretts
quer über die Hinterbacken. So streichle ich mich, überall. Über
den Hals, über die Titten, den Bauch. Außen an den Schenkeln
entlang. Innen. Dazwischen.
Selbstbefriedigung, das kenne ich. Doch mich hier unter den
Augen eines Mannes zu stimulieren, das ist etwas völlig anderes.
Phils Augen hängen an meiner Scham. Das fühlt sich so direkt an
wie ein Griff mit der Hand. Seiner Hand, meiner Hand, egal. Ich
stöhne nun ebenfalls leise und reize die Klitoris. Mein Becken
bewegt sich von selbst.
"Setz dich auf die Fensterbank", krächzt Phil. Er zittert am
ganzen Körper. "Nimm ein Bein hoch."
Natürlich folge ich sofort. Die Glasscheibe presst sich an
meinen Rücken, aber der Kältereiz peitscht mich nur zusätzlich
auf. Ich lasse einen Fuß auf dem Boden und ziehe das andere Knie
hoch, stelle die Ferse neben mir auf das Brett. Meine Scham
klafft regelrecht in dieser Position. Ein pinkfarbenes
Pfläumchen, nass und hungrig. Ich rieche wie eine Frucht, die
fast zu süß ist zum Essen.
Phil tritt näher heran. Ich habe keine Angst. Er wird mich nicht
berühren, das weiß ich. Das würde nicht in diesen gemeinsamen
Traum passen, sondern ihn zum Kippen bringen. Dicht vor mir baut
er sich auf, beide Hände um sein Gemächt geschlungen.
"Mach´s dir", fordert er tonlos. "Ich will sehen, wie es dir
kommt."
Ich folge seinem Wunsch. Für mich. Für ihn auch, aber nur zum
kleineren Teil. Ich mache es, weil ich im Traum ein geiles Stück
sein kann. Eine nuttige Schnitte, die nur ihren brodelnden
Hormonen gehorcht. Die Freiheit, die sich mit dieser Vision von
mir verbindet, ist kaum zu ertragen.
Ganz gezielt stimuliere ich mich, so wie ich es mag. Ich fasse
die Schamlippen zwischen zwei Finger und reibe sie, drücke,
ziehe. Ich berühre mich unten, am tiefen Ende der Spalte, am
Damm. Ich nehme den Schamhügel in die Hand und schiebe den
Knochen darunter ein paar Millimeter rauf und runter. Das drückt
so hübsch auf die Organe im Inneren. Und immer wieder widme ich
mich den Nippeln, inzwischen nass verschmiert, und dem
Lustknopf, den ich klein und prall oben an den Falten meiner
Muschi spüre.
Das bringt mich hoch, treibt mich voran. Doch erst Phils
glühender Blick und die Melkbewegungen um seinen Schwanz lösen
dieses tiefe Vibrieren aus, diese Atemlosigkeit, diese Brunst,
die mich erfüllt wie Lava. Ich keuche und japse vor mich hin,
zeige meine Lust, bade in seiner Anbetung.
Der Orgasmus kommt, in Zeitlupe. Ich kann genau verfolgen, wie
er sich in meinem Schoß aufbaut, sich zusammenbraut.
Stecknadelkopfgroß und so konzentriert wie das Universum vor dem
Urknall. Mein Mund gibt einen langgezogenen Stöhnlaut von sich,
mein Blick findet den von Phil.
Wir sehen uns tief in die Augen, als ich komme wie ein Erdbeben.
Der Stecknadelkopf meiner Lust eruptiert, weitete sich aus wie
eine Blase und erfasst meinen Körper, meine Seele, meinen Geist,
mein ganzes Selbst. Ich hechle und zucke und erschauere und
werde nur noch von Phils Blick im Hier und Jetzt gehalten. Mit
übermenschlicher Anstrengung reiße ich die Augen auf und lasse
ihn ein, lasse ihn teilhaben, mitfühlen, mitleiden.
Er ächzt und schüttelt sich und kommt ebenfalls. Seine Augen
flackern, doch er schafft es wie ich, den Blickkontakt zu
halten. Für einige Sekunden wabern wir zu zweit in den
unhörbaren Sphärenklängen unserer geteilten Lust. Wir befinden
uns in derselben Umlaufbahn um einen Mond, der aus reiner,
überirdischer Ekstase besteht.
Etwas fährt aus seinem Knüppel und klatscht mir warm auf die
Schenkel. Ein weiterer Reiz, eine zusätzliche Stimulation. Als
der nächste Spritzer mich verfehlt bin ich fast enttäuscht. Ich
verschmiere den Saft über meine Haut und das schlüpfrige Gefühl
addiert eine Note enthemmter Geilheit zu dem Wirbelsturm meiner
Wahrnehmung.
Ich bin noch Jungfrau. Ich habe noch nie mit einem Mann
geschlafen. Aber jetzt fühlte ich mich so reif, so erweckt, so
unsagbar weiblich, als sei ich eine Tempelpriesterin aus uralter
Zeit. Ich verstehe mich, Phil, die Welt, auf eine wortlose,
intuitive Weise, die alles einschließt.
Wer bin ich eigentlich?...
Später bin ich abgerutscht und kauerte unter dem Fenster. Die
Rippen des Heizkörpers schneiden in meinen Rücken. Phil liegt
vor mir schlaff auf dem Boden. Wir berühren uns nicht. Wir sehen
uns auch nicht an.
Der Nachhall der jenseitigen Erfahrung schwingt noch in mir, und
zwischen uns. Wir haben etwas Einzigartiges geteilt, das uns für
immer verbinden wird. Doch der Traum ist zu Ende, wir erwachen.
Der Morgen hält die Komplikationen der Realität für uns bereit.
Phil seufzt brummig und setzt sich auf.
"Sollte ich mich bei dir entschuldigen?", fragt er mit besorgten
Augen.
"Nein." Ich lächle zur Beruhigung. "Dazu war es zu schön."
Er nickt.
"Willst du, dass... wir es Livia sagen?"
"Nein." Das kommt von selbst, von ganz innen. "Ich will, dass
alles so ist wie vorher", erkläre ich. "Wir werden nichts mehr
miteinander machen. Keine Spielchen. Du bist der Freund von
Livia, und ich bin die Mitbewohnerin ihrer WG. Ende der
Durchsage."
Phil lässt sich das durch den Kopf gehen. Schließlich nickt er
und grinst schmerzlich. "Du hast Recht. Das ist das Beste so.
Danke, Heike. Für... alles."
"Auch danke."
Wir sehen uns an. Wenn einer von uns sich jetzt vorbeugt und den
anderen küsst, dann ist es zu Ende. Dann fliegen wir endgültig
aus der Kurve.
Der Moment geht vorbei. Wir atmen beide auf und tarnen unsere
Erleichterung mit einem Lächeln. Schließlich rappelt er sich
hoch, greift seine Unterhose, und schlurft hinaus. Er will etwas
sagen, doch er nickt nur und schließt die Tür hinter sich.
Ich hocke noch lange an der Heizung und denke nach. Die
unbekannte Seite von mir, die ich heute kennen lernte, wird
früher oder später erneut an die Oberfläche kommen. Irgendwann
werde ich auf die Suche gehen nach einer Gelegenheit, die
Hemmungen und Zwänge meiner Herkunft abzulegen. Vermutlich ist
es das, was man unter Erwachsenwerden versteht.
Darauf freue ich mich bereits. Aber ich spüre auch, dass ich
erst einmal eine Auszeit brauche. Ruhe. Alleinsein. Ich muss die
wahnwitzigen Eindrücke der letzten zwölf Stunden verarbeiten,
einsortieren, verstehen. Ein notwendiger Schutz, eine
unumgängliche Phase vor jedem weiteren Experimentieren.
Also werde ich vorläufig die schüchterne, kleine Heike sein. Das
Mädchen, das sich schon erschreckt, wenn ein Professor es nur
ansieht oder die Küchenhilfe in der Mensa das Kartoffelpüree mit
zu viel Schwung in das Schälchen klatscht. Doch innen drin, wo
es niemand sieht, da werde ich dranbleiben am Thema.
Ein Lächeln tritt auf meine Lippen. Ich kann es nicht
abschalten. Phil wird sich hüten, mir noch einmal zu nahe zu
kommen, da bin ich mir absolut sicher. Wir werden höflich und
freundlich und distanziert miteinander umgehen und nie mehr ein
Wort über diese Begegnung verlieren.
Doch jedes Mal, wenn er mit Livia im Bett ist, werde ich dabei
sein. Hinter der Wand, das Ohr an der Tapete, die Hand auf
meiner Muschi. Er wird es wissen. Er wird auch wissen, dass ich
weiß, dass er es weiß. Wir werden Sex haben, ohne uns zu sehen.
Klar, kein echter Sex. Dafür bin ich noch nicht bereit.
Irgendwann, später einmal, da werde ich es sein.
|